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Sound’n’Spirit ad Sanctos

Macht wach und vergnügt: ein Glas Geburtstagssekt
Vergnügter Start in einen tollen Tag! größere Ansicht

6. Oktober 2018 | Genau, wir waren „bei den Heiligen“, in der Colonia Ulpia Traiana. Gut, es geht auch anders: Unser Tagesausflug führte uns nach Xanten – „Römer-, Dom- und Siegfriedstadt“. Ad sanctos, so wurde ein Stift der Kanoniker benannt, weil man glaubte, das Stift sei über den Grabstätten des heiligen Viktors und seiner Gefährten angelegt. Aber chronologisch:

Unser knallroter Bus startete pünktlich um 8.30 Uhr am Busbahnhof in Neunkirchen, nachdem unser 21 Mann und Frau starkes Trüppchen es sich mit reichlich Platz und bester Aussicht auf den Sitzen bequem gemacht hatte. Spätestens im Jabachtal waren die letzten aus ihrer Samstagmorgenschläfrigkeit erwacht und der Bus brummte von Gesprächen. Ein Gläschen Sekt auf den Geburtstag von Susanne, Naschwerk aus vielerlei Busreihen (nur Ulrike war mit ihrem Zwiebelkuchen zum Frühstück der Tageszeit weit voraus) – so ließ sich der Tag gut an und die Fahrt verging wie im Flug.

Hm! Ob wirklich alle in das Bähnchen hineinpassen?
Hm! Ob wirklich alle in das Bähnchen hineinpassen? größere Ansicht

Schon hieß es: Endstation Xanten City. Bitte aussteigen.

Dieser Sommer scheint unendlich zu sein. Denn auch heute machten wir uns vom Busparkplatz bei strahlender Sonne auf den kurzen Weg ins Städtchen, hatten noch ein bisschen Zeit für einen Cappuccino und einen Bummel vorbei an den Ständen des Marktes, bevor es dieses Mal hieß: Bitte einsteigen. Und dann zockelten wir in Waggon 1 und 2 eines grünen, schnuckeligen Bähnchens zusammengekuschelt auf den engen Bänken durch das Stadttor, vorbei an Kirchen, Toren und Türmen, Mühlen und Mauern, und erhielten einen ersten optischen Eindruck von der mittelalterlichen Stadt, ergänzt durch Geschichtliches aus dem Lautsprecher.

In der Krypta: Aufmerksam und mit gespitzten Ohren
In der Krypta: Aufmerksam und mit gespitzten Ohren größere Ansicht

Im Anschluss besuchten wir St. Viktor. Der Dom erhielt seinen Namen übrigens von dem schon erwähnten Viktor von Xanten, Angehöriger der Thebäischen Legion, der der Legende nach dem Christentum nicht abschwören wollte und daher im 4. Jahrhundert im Amphitheater von Vetera hingerichtet wurde.

Am Dom wurden wir bereits erwartet. Die Dame, die uns führen sollte, begrüßte uns schroff: „Im Dom wird nicht gelacht“. Mancher zog erschrocken die Augenbrauen hoch, denn wir sind überzeugt, dass der Herrgott durchaus Sinn für eine lustige Bemerkung zur rechten Zeit besitzt. Aber da ahnten wir ja auch noch nicht, was auf uns zukam: eine äußerst kurzweilige und humorvolle Kirchenführung. Mit staubtrockenem Humor und soldatisch kurzen Anweisungen „Sie da - Sie gehen jetzt in die letzte Reihe, die Kleinen müssen sehen können,“ lotste uns die Domführerin durch Krypta und Kirchenschiff und machte uns auf mehr und vor allem weniger Offensichtliches aufmerksam:

Geschmunzelt, nicht gelacht: Anekdötchen am und über den Marienaltar
Geschmunzelt, nicht gelacht: Anekdötchen am u. über den Marienaltar größere Ansicht

so etwa auf den Marienaltar (einer von 24 Altären!) mit seiner Predella mit der Darstellung der Wurzel Jesse, meisterlich geschnitzt angeblich aus einem einzigen Stück Eiche (die Domführerin: „im Vertrauen: Es waren drei – aber trotzdem meisterlich“), ein Bronzealtar neuerer Zeit, das reinste Wimmelbuch, mit Tiergestalten, denen selbstredend jeweils eine tiefere Bedeutung zukommt, aber auch „Kuriositäten“ wie etwa ein Schweinchen mit gefalteten Pfötchen oder eine geschnitzte Heiligenfigur, die ihren Kopf unter dem Arm trägt, zum Ausgleich dafür aber als einzige auf einen Sockel gesetzt wurde, damit es hübsch ordentlich zur Reihe der weiteren Figuren passt. Auch eines der ältesten vollständig erhaltenen Chorgestühle haben wir bestaunt und lernten auch gleich den Ursprung des Ausdrucks „Halt die Klappe“ kennen:

Traum-Kulisse für unser Amazing Grace: der Kreuzgang v. St. Victor
Traum-Kulisse für unser Amazing Grace: der Kreuzgang v. St. Victor größere Ansicht

Die Sitzflächen im Chorgestühl klappten automatisch hoch, wenn die Ordensbrüder sich zum Gebet erhoben. Da es beim Beten aber vorzugsweise still und andächtig zugehen soll, war solcher Höllenlärm unerwünscht. Deshalb hieß es, wenn es mit der Klappe wieder einmal nicht klappte, als Rüge: Halt die Klappe. Dann gab es nur noch ein kleines Stützbrett als einzige „barmherzige“ Gelegenheit (darum auch Misericordium genannt), sich beim oft stundenlangen Stehen ein wenig abstützen zu können. Ob hier auch die Entstehung des Begriffs Hängepartie zu verorten ist, ist demgegenüber nicht belegt. Kurz und gut – es gab jede Menge zu entdecken und feststeht: Der Dom erhält von Sound’n‘Spirit das Prädikat „sehenswert“! Den Abschluss der Besichtigung bildete der Kreuzgang mit seinen Grabplatten und Reliefs und dem sonnenbeschienenen rosenumrankten Innenhof.

Wir haben fertig: Kuchen, Eis und Aperol auf dem Marktplatz
Wir haben fertig;-) Kuchen, Eis und Aperol auf dem Marktplatz größere Ansicht

Hier durften wir dann auch das tun, auf das wir im Dom selbst wegen einer laufenden Führung leider verzichten mussten: Singen! Und so erklang zuerst Heinz‘ Mundharmonika und dann a capella das schlichte und umso schönere Amazing grace, geadelt von der durch die Geschichte vieler Jahrhunderte verdichteten Atmosphäre dieses ehrwürdigen Ortes. Gänsehautgefühl inbegriffen. Nicht nur bei uns, wie uns berichtet wurde, sondern auch bei den Dombesuchern, die von unserem Gesang angelockt worden waren und gern noch mehr gehört hätten. Beim nächsten Mal.

Denn wir mussten uns sputen, um rechtzeitig zur Führung durch den Archäologischen Park, das größte Freilichtmuseum Deutschlands, zu kommen. Die Wege zum Amphitheater, zur Taverne, zum Tempel, den Handwerkerhäusern und den Thermen etc. sind weit – schwierig, wenn man nicht gut laufen kann.

Ein historischer Augenblick: Sound’n’Spirit vor dem Amphitheater
Ein historischer Augenblick: Sound’n’Spirit vor dem Amphitheater größere Ansicht

Aber zurückgelassen wird keiner und so haben wir uns kurzerhand für eine Sängerin einen Rollstuhl ausgeliehen, den sie erst unter Protest, dann aber mit viel Juchhu benutzte – denn es ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, wenn der Rollstuhl zur Bewältigung von Höhenunterschieden gekippt werden muss, da braucht es Vertrauen, aber das ist bei uns in alle Richtungen vorhanden und so konnten wir allesamt dem Leben der römischen Legionäre nachspüren und hatten obendrein unseren Spaß am Rollstuhlparcours durch die Ruinen.

Bei dem sich anschließenden gemütlichen Abendessen im „Gotischen Haus“, einem der ältesten Häuser der Stadt, mussten wir uns, anders als wir es über das Essen der Legionäre gehört hatten, zu unserer Erleichterung nicht auf Körner und Bohnen beschränken.

Die ganze Mannschaft im Gotischen Haus. Beweisfoto: 18 plus ein Spiegelbild
Die ganze Mannschaft im Gotischen Haus.
Beweisfoto: 18 plus ein Spiegelbild größere Ansicht

Schade, wenn so ein sonniger geselliger Tag zu Ende geht. Aber gut, dass der Bus die 140 Kilometer nur mit 80 km/h fahren darf. Und es noch Landstraße von Rösrath bis Neunkirchen zu fahren gilt. Denn nun folgte ja noch der auf der Beliebtheitsskala des Chores ganz oben stehende Tagesordnungspunkt unserer Fahrten, und der geht so: Heinz packt unter allgemeinem Jubel seine Gitarre aus und stimmt ein Lied an, und dann geht es kreuz und quer durch unser ganz privates Chorrepertoire, einem mutigen Mix von Countryroads, Que sera, Über den Wolken, Zwei kleine Italiener bis zu Monja, bei dem der eine oder andere eine schnell erdachte Textzeile beisteuert.

Und es kommt nicht selten vor, dass anschließend auch noch Marmor, Stein und Eisen bricht. Herrlich! Wir singen halt zum Steinerweichen. Und so freut sich beim Verabschieden am Bus in Neunkirchen ein jeder bereits wieder auf das nächste Mal, wenn es heißt: Sound’n’Spirit unterwegs.

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Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.
Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)

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