Sound’n’Spirit in Concert – die Nr. 1
14. Juni 2015 | „In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst.“ Diese Worte von Augustinus hatten wir uns in den Vorankündigungen für unser erstes Konzert auf die Fahnen geschrieben. Am Sonntagnachmittag des 14. Juni galt es, den Beweis dafür anzutreten. Und tatsächlich: Es ist uns gelungen, mit unseren Stimmen den Sound und mit unseren Herzen den Spirit zu beschwören, den es für ein zündendes Gospelkonzert und dafür brauchte, nicht nur einige Gospelfans, sondern alle der fast 200 Besucher immer wieder von den Bänken zu reißen. Das war einfach nur toll! Auch wir selbst haben das Konzert von Anfang bis Ende genossen – es war überwältigend, so viele Menschen begeistern zu können und wir haben uns riesig über die Anerkennung gefreut, die unsere Art des Gospelns in Form stehender Ovationen erhalten hat. Wir danken allen, die dabei waren!
Unser Ziel war gewesen, ein Programm zu bieten, das ein wenig aus dem üblichen Rahmen fällt. Darum gab es nicht nur Gospelklassiker wie „Down by the riverside“ und „Swing low“ sowie zeitgenössischen Gospel u.a. der bekannten Komponisten Tore W. Aas und Joakim Arenius zu hören, sondern darüber hinaus, und dies machte den Charme des Programms aus, auch Titel jenseits des Gospel-Mainstreams. So hatten wir lange und tief gegraben und konnten schließlich einen alten, in Vergessenheit geratenen Spiritual wiederauferstehen lassen: „Dry Bones“, dreistimmig, a capella – mit seinen chromatischen Läufen eine wahre sängerische Knochenarbeit. Aber wir haben die Knochen von toe bis head nicht nur in die richtige Reihenfolge gebracht und dabei einige im Ruhemodus vor sich hin dämmernde Synapsen im Gehirn wieder aktiviert, sondern sind – dank mancher Zusatzprobe – auch gemeinsam im richtigen Dreiklang aus den Läufen wieder herausgekommen.
Riesig viel Spaß hatten wir jedes Mal wieder bei der Imitation der Choreographie, einer steifen Bewegung des Armes nach dem Vorbild der amerikanischen Vocal Group Delta Rhythm Boys. Eine Überraschung für die Besucher unseres Konzertes: Der Titel „I still haven’t found what I’m looking for“ der irischen Rockband U2 – kaum jemand im Publikum hatte wohl vorher gewusst, dass es sich um einen waschechten Gospel handelt. Ein Solist, sechs Stimmen, drei davon als Instrumentalbegleitung eingesetzt – ein ungewöhnliches, aber ungeheuer spannendes Arrangement, das uns eine Menge Arbeit gekostet hat (und passenderweise im Programm nach „If we ever needed the Lord before we sure do need him now“ folgte), das aber so gut angekommen ist, dass wir es weiter ausbauen werden.
Bei einem Gospelkonzert dürfen natürlich die „schmissigen“, rhythmischen Titel nicht fehlen. Wir hatten uns unter anderem für „Hold on to the rock of ages“ und „Will the circle be unbroken“ entschieden. Doch für uns ist wichtig, die ganze große Ausdruckspalette des Gospels abzubilden, und dazu gehören besonders auch die leisen Töne wie etwa bei dem ebenfalls a capella gesungenen „Amazing grace“, das nicht nur uns Gänsehaut verursachte, ebenso wie bei „10.000 reasons“, bei dem Linda Bennett durch ihr einfühlsames Geigenspiel die Darbietung vervollkommnete und den Spirit of Gospel heraufbeschwor.
Diese Ausdrucksstärke kommt nicht von allein. Wir verdanken sie unserer musikalischen Leiterin und Dirigentin, Ulrike Bennett, die uns mit enormer Präzision und großer Interpretationsstärke – und kaum weniger Körpereinsatz und Power als Whoopie Goldberg in „Sister Act“ – an der Dirigentenleine führt. Und wir verdanken sie der Tatsache, dass wir nicht nur 25 einzelne Chormitglieder, sondern eine Gemeinschaft mit Teamgeist sind. Nur so kann es uns gelingen, dem Sound den Spirit einzuhauchen.
Das Konzert sollte abwechslungsreich sein und so hatten wir viele Titel unterschiedlich arrangiert und, getreu der Erkenntnis „Das Auge hört mit“ uns auch einen Wechsel des Outfits in der Pause verordnet. Das „kleine Schwarze“ musste der legeren Blau-weiß-Kombination unserer im Chor dominierenden „Generation Jeans“ weichen. In den Katakomben des Pfarrheims ging es in der Pause zu wie in der Garderobe eines Theaters. Ein kleiner Stressfaktor on top, aber alle standen pünktlich bereit zum Sturm – nicht auf, sondern in der Kirche. Denn wie bereits beim Lions-Konzert im November 2014 haben wir im wahrsten Sinn mit Händen und Füßen einen Sturm entfacht. Rascheln, als feine Regenschleier die Luft durchwoben, einzelne schwere Tropfen fielen, es immer mehr und mehr wurden und plötzlich ein Platzregen niederprasselte, gefolgt von blauen Blitzen und Donner. Auch dieses Mal großes Staunen auf den Gesichtern der Zuhörer, denn dieser „selbst gemachte“ Sturm war tatsächlich eine perfekte Illusion. Vergessen in dem Moment auch die Sorge: Würde das Podest, das wir für eine bessere Aufstellung des Chores aufgebaut hatten, die Donnerschläge, sprich: das Hochspringen auf den Stufen, überstehen oder drohte uns ein höchst unprofessioneller Absturz? Aber schon bei der Generalprobe hatten wir zum Glück festgestellt: Es klappt (nicht zusammen).
Last but not least ist vom Konzert in Ruppichteroth zu berichten, das bereits am Freitag, den 12. Juni, in der freundlichen, hellen Pfarrkirche St. Severin stattgefunden hatte. Auch dort konnten wir, was für uns eine tolle Erfahrung war und uns Sicherheit für das Konzert in St. Margareta gegeben hat, das Publikum begeistern. Auch dort gingen die Besucher mit, standen und klatschten. Alle! … Es waren genau 25. Aber das war nicht ausschlaggebend. Wir hätten auch für fünf, ja für einen Zuhörer gesungen und hätten genau so viel Freude dabei gehabt wie vor einem „vollen Haus“. Denn es hat seinen Grund, dass wir Gospels singen. Es sind ihre Geschichte, ihre Spiegelung einer unendlichen Gefühlswelt, ihre Melodien, Rhythmen und – keineswegs an letzter Stelle – ihre Worte und Botschaften, die uns vor allem auch selbst tief innen berühren. So singen wir niemals nur für andere, sondern immer auch für uns selbst.
Unsere ersten Konzerte – beide! –und auch „die Feier danach“ werden uns sicher lange in Erinnerung bleiben. Aber es geht schon weiter. Schon sind neue Ziele gesteckt: Im September sind wir dann mal weg … nämlich auf Chorfahrt nach Weimar, im Oktober folgt die Aufnahme eines großen Teils der Konzerttitel auf CD, im Dezember singen wir zum Beispiel im Gottesdienst am 3. Advent und werden wohl auch mit einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt dabei sein. Was es dort bei uns „zu holen“ gibt, wird gerade in einem aufopfernden Selbsttest durchgeprüft.
Weitere Bilder vom Konzert in St. Margareta (2015)
Wenn Sie bei dem Konzert Lust bekommen haben, bei uns mitzusingen: Lassen Sie uns ausprobieren, ob wir zusammenpassen. Und denken Sie nicht: Das schaffe ich nicht … Wir haben Texte und Stimmen auch nicht über Nacht gelernt, sondern schön hintereinander, Stück für Stück











